Whistlercup Kanada

Rennbericht von Lucien Barandun

Nach der Schweizermeisterschaft auf der Klewenalp war die Saison praktisch für alle abgeschlossen. Doch für ein paar wenige standen noch die inoffiziellen Weltmeisterschaften in Whistler, Kanada vor der Tür. Die besten 3 des Ochsner Sport JO-Cups Jahrgänge 1998/1997 durften nach Kanada fliegen. Ich lag auf rang 4 und rutschte nach weil der Drittplazierte verzichtete.

3. April. Der Tag der Abreise ist gekommen. Alle freuten sich riesig darauf und man konnte auch eine gewisse Nervosität spüren, vor allem bei meinem Trainer Heli, der ziemliche Flugangst hat. Die Eltern und wir Athleten flogen getrennt. Geplant war, dass wir eine Stunde vor ihnen in Vancouver ankommen sollten, doch alles verlief anders. Unser Flieger konnte erst 3 ½ Stunden später als geplant in Zürich abheben und so verpassten wir natürlich auch den Anschlussflug in Toronto, wo wir dann den letzten Flug noch bekamen. So mussten wir die Zeit auf dem Flughafen irgendwie vertreiben und gingen in eine Bar. Da merkten wir: Wir sind in Amerika!!
J In der ganzen Bar Fernseher auf denen ein Eis-Hockey Spiel lief. Zum Essen bestellten wir drei (Marco Michel, Marco Odermatt & Ich) drei Portionen Nachos, was sich dann als ein riesen Fehler herausstellte… 3 RIESIGE Portionen! Wir konnten es nicht glauben als dies serviert wurde (siehe Bild). Danach flogen mit dem letzten Flieger an diesem Tag nach Vancouver. Als wir da ankamen war es mitten in der Nacht und die Trainer wollten da übernachten. Nach einer halben Stunde Hotelsuche wo wir nirgends Platz fanden nahmen wir doch noch die 2 stündige Fahrt nach Whistler auf. Morgens um 5 Uhr sind wir dann angekommen. Die Reise dauerte insgesamt 31 Stunden.

Wir durften nicht allzu lange schlafen wegen dem Jetlag. Also standen wir um 10 Uhr schon auf und gingen ins Dorf um zu frühstücken und um das ganze Dorf und alles andere Mal anzusehen.  Nach dem eher weniger feinen Morgenessen fuhren wir zum Nordischen Olympic Park der nur etwa 20 Minuten mit dem Auto von Whistler entfernt lag. Wir stellten uns das Ganze ein bisschen imposanter vor, die Schanze war nichts besonderes und Langlaufloipen sehen ja alle etwa gleich aus. So gingen wir nach kurzer Zeit wieder nach Whistler. Auf dem Weg dahin machten wir noch einen kurzen Stop beim Whistler Mountain Ski Club die ein Clubhaus mit grossem Fitnesscenter und allem was man sich erträumen kann besitzt. Von dort aus sahen wir auch die untere Hälfte der Abfahrtspiste der Olympiade 2010.
Am Abend waren wir bei einer Kanadischen Familie, die tief im Wald wohnte, zum Essen eingeladen. Der Sohn nahm auch am Whistler Cup teil. Es war ein gemütlicher Abend und das Essen schmeckte auch sehr gut.

Donnerstag um 6.30 Uhr klingelten unsere Wecker und wir mussten  stressen, denn um 6.45 Uhr hatten wir bei der Bahn abgemacht. Um dorthin zu kommen liefen wir noch etwa 10 Minuten. Als wir dort ankamen waren wir natürlich wieder mal die letzten und konnten hinter 300 Kindern aus der ganzen Welt anstehen. Oben angekommen konnten alle Nationen zusammen Morgenessen. Es war ein riesen Buffet vorbereitet. Wir hatten nicht allzu viel Zeit, denn wir mussten noch die Piste besichtigen welche ein riesiges Lächeln auf die Gesichter von uns Zauberte. 3 Sprünge und eine ziemlich Steile Piste. So gefiel es uns. Wir machten 3-4 Fahrten mit den Super G Skis und gingen dann in die Mittagspause. Danach noch ein paar Läufe Riesenslalom und dann nahmen die Eltern uns die Taschen und Super G Skis ins Tal runter, sodass wir noch mit der Peak 2 Peak Bahn fahren konnten. Dies ist die längste Freihängende Gondel und verbindet 2 Berge miteinander. Am höchsten Punkt ist sie 400 Meter ab Boden.
Etwas spezielles was mir an diesem Tag auch noch aufgefallen ist, sind die Pistenpolizisten, welche überall rumstanden und schauten, dass man in den „Family zones“ und den „slow zones“ nicht zu schnell fährt. Sonst nahmen sie einem das Billet weg und die waren sehr teuer. 120.- bezahlte man für eine Tageskarte.
Am Abend assen alle Nationen und Regionen miteinander und dann mussten wir auch schon schlafen gehen, weil wir am nächsten Tag das erste Rennen auf dem Programm stand.

Der Morgen mit dem gemeinsamen Frühstück war gleich wie der Tag vorher, nur der Grund weshalb wir an den Berg gingen war ein anderer. Das erste Rennen, der Super G stand auf dem Programm. Ich musste im 3. Topf starten und bekam die Nummer 32. 2 Sprünge waren eingebaut und das Wetter perfekt um gute Resultate zu erzielen. Marco Michel war der erste von uns und über den ersten Sprung zog er eine beinahe perfekte Linie. Wir konnten nur hoffen, dass auch wir ihn so erwischen. Marco Odermatt war dann auch weg und ich war der letzte Schweizer am Start. Ich musste zwischen etwa 8 Jungs starten die alle 1-2 Köpfe grösser waren als ich und so wurde ich immer nervöser. Ich ging aus dem Starthaus und die ersten Tore waren nicht allzu gut. Oberste Zwischenzeit, Rang 21. Ich schaffte mich nach vorne und als ich im Ziel war leuchtete Rang 4 auf. Bis zum Schluss fuhren dann noch 3 Kanadier vor mich und ich klassierte mich auf dem 7. Rang (bester Schweizer, vor Odermatt, Rang 8 und Michel, Rang 10)
Bei den Mädchen gewann Lorena Käslin (CH) vor der Liechtensteinerin Jessica Hilzinger. Auch die anderen Mädchen klassierten sich in den Top 10.

Am Nachmittag war noch die Parade wo alle Nationen durch das Dorf liefen und am Schluss bei einer Tribüne ankamen, wo dann die Siegerehrung war.
Direkt nach der Siegerehrung konnten wir wieder ins Whistler Center gehen um zu Essen. Auch heute mussten wir wieder früh ins Bett.

Samstagmorgen, auch der wieder gleich wie die vorherigen, nur hatten wir weniger Zeit um zu Essen weil wir 2 Laüfe hatten, wie es ja üblich ist im Slalom. Der Lauf hatte ziemlich grosse Distanzen. Ganz anders als bei uns.
Wieder startete ich im 3. Topf. Marco Odermatt und ich konnten den ersten Läufern zuschauen. Nummer 1, ein Kanadier eröffnete das Rennen. Er ging aus dem Starthaus und wir hatten für einen Moment einen Schock. Noch nie haben wir einen 97er gesehen der so schnell fährt, doch er schied in der Hälfte aus, also brauchten wir keine Angst zu haben. Marco Michel fuhr danach auf den 2. Zwischenrang. Der nächste war der andere Marco, welcher 7 Tore weit kam und dann ausschied. Und ich wieder der letzte. Auch ich kam nicht weiter als Marco, dasselbe Tor wurde auch mir zum Verhängnis. So konnten wir ins Tal gehen um die GS Skis zu holen um noch einige Läufe zu fahren um optimal für meine Paradedisziplin, den Riesenslalom vorbereitet zu sein. Marco Michel konnte den führenden Italiener noch ausschalten und gewann den Slalom!
J Wir freuten uns alle und er musste noch ein Interview geben. Gleichzeitig auf der Riesenslalom Piste gewann Jessica Hilzinger den Riesenslalom und Gina Wessner (CH) wurde 4.
Am Abend war die Rangverkündigung im Center wo wir assen, denn an diesem Abend war auch gleichzeitig noch Sponsorenabend. Heute hatten wir nach dem Essen noch ein wenig Zeit um ins Dorf zu gehen, doch unter 21 kommt man da nirgends rein. So gingen wir wieder früh ins Bett.
Der nächste Morgen war gekommen und ich war ziemlich angespannt, denn ich durfte nicht wieder rausfallen und wusste, dass ich ein gutes Resultat fahren kann. Den ersten Lauf steckte der ZSSV Trainer Sili. Ein Tor setzte er über einen Sprung, was sehr geil war!
J
Der erste Lauf, endlich konnte ich mal im ersten Topf starten, doch hatte ich ziemliches Pech. Zweitletzter des ersten Topfes: Nummer 16! Ich war sehr nervös. Die ersten paar Tore fuhr ich zu verhalten, dies merkte ich und drehte auf. Die untere Hälfte ging perfekt auf und ich landete auf dem 4. Zwischenrang.  Im 2. Lauf hatte ich nur 1 Ziel und das war das Podest. Ich wusste, dass ich voll angreifen muss um dies zu erreichen. Die ersten Tore, viel besser als im ersten Lauf, doch dann, ein Fehler und ich war kurz davor raus zu fliegen. Ich kämpfte mich zurück auf die Linie und wurde dann doch noch fünfter.
J
Marco Odermatt fuhr auf den sechsten Platz und Michel auf Rang 20.
Bei den Mädchen die Slalom hatten, fuhr Aline Danioth aufs Podest.

Wir fuhren nach dem Rennen alle ins Tal und dann war auch schon die letzte grosse Rangverkündigung. Zuerst kamen die heutigen Rennen und dann noch die Nationenwertung, welche bisher jedes Jahr Kanada gewann. 3. Rang ging an Italien und dann wurde es spannend… 2. Rang… Kanada und der Gewinner war die Schweiz. Mit mehr als 50 Punkten Vorsprung gewannen wir den grossen Pokal.
Wir mussten noch Interviews geben und viele wollten Fotos mit uns schiessen.

Am Abend wieder wie gewohnt das Nachtessen im Center und nachher konnten wir endlich mal lange draussen bleiben.. An diesem Abend lernten wir viele neue Leute von der ganzen Welt kennen und die Trainer und Eltern feierten unseren Sieg auch noch in den Bars.

Der Tag der Abreise war gekommen. Um 8 Uhr fuhren wir los in Richtung Vancouver. Wir machten einen kurzen Halt im Starbucks und fuhren dann weiter in die Stadt wo wir noch ein bisschen Zeit bekamen um die Stadt anzuschauen. Es ist eine Riesengrosse und sehr schöne Stadt. Leider hatten wir zu wenig Zeit um alles anzusehen.

Nachmittags um 16.00 Uhr hebten wir dann ab nach Frankfurt, danach ging es weiter in die Schweiz. Alles lief gut, bis auf das, dass unsere Skier in Frankfurt den Anschluss Flug verpassten. Diese wurden allerdings mit dem Shuttle Service nach Hause gebracht. So war es fast noch gemütlicher. J
Zuhause angekommen hatte ich noch ein paar Tage Probleme mit dem Jetlag und auch erst dann gemerkt, was ich für eine Woche hinter mir habe. Es war ein super Erlebnis welches ich lange Zeit nicht vergessen werde. Allen Leuten welchen ich dies zu verdanken habe, die mich in den letzten Jahren unterstützt haben. MERCI!
J
Sportliche Grüsse
Euer Luci